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Teilen Script/Continuity: ein aussterbender Beruf?
12 Thesen

In Deutschland gab es unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg keine eigenständige Filmproduktionslandschaft mehr.
Produktionen, die gemacht wurden, waren zunächst hauptsächlich Studioproduktionen. Der deutsche Regieassistent war folglich wesentlich weniger von einer komplizierten Logistik beansprucht als dies bei heutigen Produktionen der Fall ist. Organisatorische Belange fielen hauptsächlich in den Aufgabenbereich des Studioaufnahmeleiters. Dafür bestand eine der Hauptaufgaben des damaligen Regieassistenten darin, auf die Anschlüsse zu achten.

2.
In dem Maße, wie sich die Produktionsstrukturen veränderten und Filme immer mehr an Originalmotiven außerhalb der Senderstudiobetriebe gedreht wurden, nahmen auch die planerischen und organisatorischen Aufgaben bei der Filmherstellung zu. Diese Aufgaben wurden außer von der 1. Aufnahmeleitung zunehmend vom Regieassistenten mit übernommen.

3.
Vor etwa 15 Jahren begann sich die Tendenz abzuzeichnen, das Aufgabengebiet der Anschlüsse aus dem Arbeitsbereich der Regieassistenz auszuklammern, da es immer schwieriger wurde, sowohl den organisatorischen wie auch den Continuity-Aufgaben gleichzeitig gerecht zu werden.

4. Die Überwachung der Anschlüsse wurde folglich immer mehr in die Verantwortung der Scripts übergeben, da diese als einzige Position in einem Filmteam sinnvollerweise diese Aufgabe übernehmen konnten.

5.
Dieser neue Aufgabenbereich der deutschen Scripts wurde finanziell viele Jahre so gut wie nicht honoriert. Zu alten Gagentarifen erwartete man schlichtweg eine doppelte Aufgabenerfüllung.

6.
Erst 1996 erreichte der Regieverband, dass die Position des Continuitys auch im Gagenraster des Tarifvertrags als eigene Position aufgeführt wurde.

7.
Heute ist die Situation leider trotzdem oft noch so, dass Sender wie z. B. das ZDF in ihren Kalkulationsrastern immer noch nur die Position des Scripts stehen haben. Scripts haben eine Wochengage von 1.365,- DM, Continities eine Wochengage von 1.721.- DM.

8.
Als Regieassistent wird man immer wieder damit konfrontiert, dass die Kalkulation einer Produktion keinen offiziellen Posten für die Position eines Continuities enthält. Immer wieder ist man mit relativen Berufsanfängern konfrontiert, die “zu einer etwas höheren Scriptgage Continuity mit machen”. Diese Strategie unterwandert allerdings jegliche Professionalisierungstendenzen und trägt auch nicht dazu bei, das Qualifikationsniveau dieser Berufssparte zu verbessern. Zudem bleibt eine klare Trennung von Verantwortlichkeiten zwischen Regieassistenz und Continuity unklar, da das Continuity eben doch nicht wirklich eines ist. Dies kann zu Fehlern und Konflikten führen, die in der Zusammenarbeit mit Jemandem, der den Beruf beherrscht und auch dafür bezahlt wird, vermeidbar sind. Immer wieder müssen sich Regisseur und Regieassistent dafür einsetzen, dass ein richtiges Continuity eingestellt und auch entsprechend bezahlt wird, denn leider scheint dies im deutschen Film- und Fernsehgeschäft immer noch nicht selbstverständlich zu sein.

9.
Die geringe Wertschätzung gegenüber dem Beruf des Continuity in Deutschland sowie der permanente Kampf um ca. 400 DM mehr Gage führen dazu, dass es in dieser wichtigen Position in Deutschland kaum qualifizierte Arbeitskräfte gibt. Wer den Job halbwegs beherrscht, wechselt so bald es geht in die Regieassistenz – oft nicht einmal deshalb, weil diese Arbeit mehr Spaß macht, sondern lediglich, weil Bezahlung und Ansehen besser sind. Übersehen wird dabei leider oft, dass es sich bei den beiden Berufen um durchaus grundverschiedene Arbeitsgebiete handelt, die ganz unterschiedliche Fähigkeiten voraussetzen. Ein gutes Continuity ist nicht selbstverständlich auch ein guter Regieassistent und ein hervorragender Regieassistent ist nicht unbedingt als Continuity geeignet.

10.
Wie sich bei unseren jährlichen Treffen herausstellt, sind immer weniger Leute bereit, unter diesen Umständen den Beruf des Continuity auszuüben. Auch die Assistenten lehnen es ab, den Aufgabenbereich der Anschlüsse wieder zu mit zu übernehmen. Im Rahmen einer internationalen Anpassung der Berufsbilder bei Film und Fernsehen wäre dies auch ein Rückschritt, da in keinem anderen filmproduzierenden Land der Regieassistent für die Anschlüsse zuständig ist. Fakt ist auch, dass in keinem anderen filmproduzierenden Land die Position des Continuities so in Frage gestellt wird, wie dies in Deutschland der Fall ist (siehe Jahresversammlung 2000).

11.
Wenn sich diese Tendenz fortsetzt, kann man davon ausgehen, dass Deutschland bald stolz darauf sein kann, das einzige Land zu sein, in dem Filme ohne Anschlüsse produziert werden können. Oder wollen das letztendlich, wenn“s keiner mehr macht, unsere Regisseure in Zukunft selbst mit übernehmen? Auch eine Variante.

12.
Von diesem Missstand ausgehend, erwartet die Fachgruppe vom Regieverband, sich bei den Auftraggebern – vor allem den Fernsehsendern, aber auch beim Produzentenverband – dafür einzusetzen, dass die Position des Continuity in den Kalkulationsrastern enthalten ist. Die Fachgruppe appelliert auch an die Regisseure, in deren eigenem Interesse bei den Produktionen qualifizierte Continuities einzufordern. Des weiteren wird sich die Fachgruppe verstärkt um Ausbildungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten für Continuities kümmern. Nur wenn dieser Beruf als Lehrberuf etabliert wird, kann man von einem besseren Image und von einer besseren Wertschätzung ausgehen, wie dies in anderen filmproduzierenden Ländern schon längst der Fall ist. Im Rahmen der Anpassung der deutschen Film- und Fernsehindustrie an internationale Standards sollte dies in unser aller Interesse sein.

RegieInformationen Oktober 2001 – Monika Schopp BVR

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